Der Kleine Prinz

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Autor: Der Kleine Prinz, m, Jg. 1973


Ich bin Jahrgang 1973 und war sowohl schulisch als auch beruflich immer sehr erfolgreich. Materiell geht es mir sehr gut, emotional leider nicht. Ich bin mit 1,70 m vielleicht ein bisschen klein geraten für die meisten Frauen (leider kommt es doch auch auf die Größe an). Ich bin keine Sportskanone, habe keinen durchtrainierten Body, aber mit 68 kg bin ich auch nicht übergewichtig, glaube ich, auch wenn ich gerne ein paar Pfund weniger hätte. Ich sehe auch nicht schlecht aus - natürlich ist man mit sich selbst nie zufrieden und die Minderwertigkeitskomplexe werden durch den mangelnden Erfolg beim anderen Geschlecht auch nicht gerade weniger. In letzter Zeit bekomme ich sogar immer öfter Komplimente von Frauen über meine Augen, aber am Rest sind sie offensichtlich nicht interessiert (oder ich habe es nicht mitbekommen, ich bin einfach zu ehrlich und zu naiv, um Flirtsignale wahrzunehmen). Eine Beziehung hatte ich noch nie, intimeren Kontakt auch nicht, keine Zärtlichkeiten, kein Kuss, geschweige denn sexuelle Kontakte (was mir persönlich auch nicht so sehr fehlt). Wenn mir mal eine hübsche Friseurin die Haare schneidet, sind für mich die sanften Berührungen der Kopfhaut bereits ein Hochgefühl der Zärtlichkeit. Traurig. Aber wie ist es so weit gekommen?

ELTERNHAUS UND SCHULE

Eigentlich bin ich in gutbürgerlichen Verhältnissen behütet aufgewachsen. Im Kindergarten war ich nicht; mein Vater war im Außendienst, hatte aber sein Büro zu Hause und vormittags hat eine Zugehfrau auf mich aufgepasst. Zu Gleichaltrigen hatte ich wenig Kontakt. Ich war ziemlich kontaktscheu und ein eher ernstes, nachdenkliches Kind. Gleichaltrige waren mir meistens zu „kindisch“. Dadurch fehlten natürlich schon in früher Kindheit wichtige Sozialisierungsmechanismen. Meine Eltern waren aber weltoffen und freizügig, von der Seite habe ich nie Zwang oder Einschränkungen erfahren. War ja auch nicht nötig, mein Eremitenstatus kam aus mir selbst... Ich habe aber als Kind sehr stark unter der latent zerrütteten Ehe meiner Eltern gelitten. Zärtlichkeiten zwischen meinen Eltern gab es selten, wenn, dann wohl nur unter Alkoholeinfluss, und das kam mir als Kind unnatürlich und ekelhaft vor. Ich bin davon überzeugt, dass meine Eltern beide mich sehr geliebt haben, aber irgendwie wollte ich ihre Liebe nicht. Ich habe eine jüngere Schwester, die zwar auch sehr unter der häuslichen Situation gelitten hat, aber trotzdem sehr früh („normal“) ihre sexuellen Erfahrungen gemacht hat. Im Gegensatz zu ihr habe ich mich auf die Schule konzentriert und unglaublich viel gearbeitet. Die Anerkennung von Mitschülern und Lehrern wurde so zu meinem Liebesersatz. Darin liegt auch der Schlüssel zu meinen Komplexen: Mir ist sehr wichtig, was meine Umwelt von mir denkt; immer will ich es allen rechtmachen; ohne Leistung und die Anerkennung dafür fühle ich mich wertlos. Aber wie kam es zu meinem gespaltenen Verhältnis zu Frauen?

ERSTE TRAUMATA

Ich erinnere mich an verschiedene Ereignisse: Als ich etwa 4 Jahre alt war, brachte unsere Zugehfrau vormittags ihre Enkelin mit, die etwa so alt war wie ich. Ich sollte mit ihr spielen. Musste ich wirklich meine Legosachen mit ihr teilen? Die macht doch alles kaputt! Außerdem hat sie komisch gerochen. Da hat sich in meinem Kinderköpfchen festgesetzt: Mädchen stinken! Igitt... Im Grundschulalter wurde ich dann auf Familienfesten von den Verwandten hochgenommen: „Na, hast Du denn schon eine Freundin?“ Ich hatte zwar nicht viel Ahnung von Mann und Frau, aber dass daran irgendetwas Unanständiges sein musste, war mir klar, so verschmitzt wie die Erwachsenen gelächelt haben. „Na, das kommt schon noch...“ - „Nie!“ habe ich trotzig behauptet, und diesen Trotz habe ich offensichtlich durchgehalten... Wann immer im Fernsehen Szenen kamen, in denen Mann und Frau „herumturtelten“, die weibliche Reize betonten oder irgendwelche erotischen oder sexuellen Andeutungen enthielten, war ich so peinlich berührt, dass ich wegschaute oder sogar den Raum verlassen musste. Im Gymnasium war es mir peinlich und unangenehm, wenn Klassenkameradinnen etwas von mir wollten oder sie auf einmal vor der Haustüre standen, um mit mir Hausaufgaben zu machen. Ich hätte zwar gerne bei den Hausaufgaben geholfen, weil ich ein netter Kerl bin, aber mit Mädchen...? Wie sieht das denn aus...? Nachher heißt es noch, ich hätte etwas mit A oder B... Ich war halt anständig und ich wollte keine Gerüchte über mich. Die Pubertät habe ich nicht bewusst miterlebt. Ich habe lieber viel für die Schule gearbeitet und war ansonsten sehr häuslich. Diskobesuche oder Parties waren mir ein Greuel, dabei hätte meine Mutter mich sicher gerne mal aus dem Haus gehabt... und mein Vater befürchtete, ich wäre kein „richtiger Mann“. Meine Eltern waren so besorgt, dass mit mir etwas nicht stimmen könnte, dass sie ein langes Gespräch mit meiner Deutschlehrerin führten. Diese aber zerstreute die Befürchtungen meiner Eltern. Ich sei sehr sensibel und intelligent, sie sollten mir ruhig etwas Zeit geben, ich würde mich schon durchsetzen und meinen Weg gehen. Für Mädchen habe ich mich nie wirklich interessiert, die waren mir einfach unheimlich. Oder: Ich habe sie damals schon für die besseren Menschen gehalten. Aus irgendeinem Grund, der nicht in meiner Erziehung liegt, hat sich bei mir im Kopf festgesetzt, dass Sexualität etwas Schlechtes sei, das nur von den Männern ausgeht. Also habe ich jegliche sexuellen Gedanken aus meinem Kopf verbannt. Ich wollte ein „guter“ Mensch sein. Ich wollte doch nur ein bisschen geliebt werden. Einmal habe ich mich doch etwas verliebt. In der sechsten oder siebten Klasse kam ein Mädchen neu in die Klasse. Klein, schmächtig, schüchtern, mit dünner, aber süßer Stimme. Wurden da Beschützerinstinkte geweckt? Wäre gar nicht nötig gewesen... Sie war Judoka und belegte bei Wettkämpfen immer den ersten oder zweiten Platz. Das hätte man ihr nie zugetraut... Mit Bewunderung habe ich die Zeitungsberichte über sie verfolgt. Gerne hätte ich mich von ihr auch „auf die Matte legen lassen“, spielerisch, versteht sich... Ihretwegen ging ich auch in den Schulchor, so konnte ich eine Stunde länger in ihrer Nähe sein und das Herzklopfen genießen. Aber meine Verliebtheit blieb mein Geheimnis, keusche Träumerei. Als es etwa in der 8. Klasse anfing, dass die ersten Jungs mit Mädchen „gingen“ und Händchen hielten, fand ich das einfach nur lächerlich. Ich wollte gar nicht wissen, was die vielleicht sonst noch so zusammen machten... Ich schwor mir, auf die wahre Liebe zu warten. Insofern habe ich den spielerischen Umgang mit dem anderen Geschlecht einfach verpasst... Ich weiß bis heute nicht, was meine Mitschüler damals von mir gedacht haben, aber ich hatte durch meine Leistungen einfach ihren Respekt und war deswegen „unantastbar“. In der 11. Klasse wollte mich eine Mitschülerin wohl mal testen. Sie hatte in ihrer Clique eine Wette gemacht, ob ich mich von ihr küssen ließe. Als sie in Abwesenheit des Lehrers auf mich zukam, habe ich Panik bekommen und bin „geflohen“, sehr zum Amüsement der Klasse. Dabei fand ich das Mädchen eigentlich ganz süß, frech, kiebig und auch hübsch, aber mich vor der Klasse küssen zu lassen, nein, wie hochnotpeinlich... Und für sie wäre es ja wahrscheinlich nur eine Wette gewesen... Sexuell hatte ich kein Interesse, ich war einfach ein Spätentwickler.

DIE ERSTE LIEBE

Das erste Mal verliebt habe ich mich mit 21. Dafür um so heftiger. Da ich keine Ahnung von der Liebe hatte, hat es auch 3 Monate gedauert, bis mir klar wurde, warum ich in Gegenwart dieser tollen Frau immer weiche Knie bekam und mich auf einmal eine Lebensfreude durchströmte, die ich bis dahin nicht gekannt hatte. Sie war so gutherzig, scheu und zurückhaltend wie ich. Von ihrer besten Freundin wusste ich, dass sie immer an die falschen Männer geraten war und sich hatte ausnutzen lassen. Bei mir war wieder einmal der Beschützerinstinkt geweckt. So wurde sie zu einer Projektionsfläche all meiner Sehnsüchte, doch um so schlimmer war für mich der Absturz ins Bodenlose, als sie nach meinem Liebesgeständnis jeglichen Kontakt zu mir abbrach. Warum war sie ausgerechnet zu mir so hart? War ich wirklich so schlimm? Ich wäre doch durchs Feuer für sie gegangen... Es hatte mich unheimliche Überwindung gekostet, auf sie zuzugehen und mein Innerstes zu offenbaren. Und ich konnte es nur, weil ich den Eindruck gehabt hatte, dass die Liebe auch von ihr ausging. Dieses erstmalige Erleben von Zurückweisung in so „hohem“ Alter ist für das Selbstbewusstsein natürlich eine viel schlimmere Katastrophe als in der Jugend, wo Liebeskummer schneller verheilt. Auf einmal war mein ganzes Leben in Frage gestellt. Die Schmerzen, die ich durchlitt, führten mir auch vor Augen, was ich im Leben bisher verpasst hatte. Wie sollte ich ohne sie weiterleben können? Ich war in einer tiefen Lebenskrise wie der junge Werther. Dazu kam die völlige Abnabelung vom Elternhaus, die Erkenntnis, dass ich keine emotionale Beziehung mehr zu meinen Eltern hatte. Meine Mutter, die sich lustig machte über meinen Liebeskummer. Und auch sonst schien mich niemand zu verstehen. Wie ich es aus meiner Kindheit kannte, funktionierte nur die Verdrängung, indem ich mich mit Arbeit zuschüttete. Aber ich litt. Jahrelang. Und ich wollte mich nicht mehr mit Arbeit betäuben. Ich wollte mehr vom Leben. Als mein Vater plötzlich starb, während ich im Prüfungsstress war, musste mich aber wieder mit Arbeit betäuben. Sonst hätte ich die Schmerzen nicht ausgehalten. Verlieben wollte ich mich so bald nicht mehr. Als ich dann in der Ausbildung eine junge Frau kennenlernte, in die ich mich hätte verlieben wollen, ging ich so behutsam und langsam vor, dass ein guter Freund von mir sie mir vor der Nase „wegschnappte“. Von jemandem, den man liebt, zurückgewiesen zu werden, ist das eine. Aber dann noch jeden Tag vorgeführt zu bekommen, wie ein anderer glücklich wird, grenzt an unmenschliche Folter. Manch durchweinte Nacht habe ich Gott und meinen verstorbenen Vater gefragt, warum ich durch dieses Martyrium muss. Richtig verliebt habe ich mich danach nur noch einmal, aber auch das war nur einseitig. Sie war hübsch, sie war intelligent, sie hatte Witz, wir haben uns gut verstanden. Sie hatte Liebeskummer mit ihrem Ex und ich war da. Wollte für sie da sein. Habe ihr meine Hand gereicht. Sie hat mich hingehalten und zappeln lassen. Vielleicht als Trostpflaster für den Fall, dass sie keinen besseren findet. Und auch da hat mich das Schicksal gequält, Monate später durch Zufall mit anschauen zu müssen, wie dieses liebe Mädel in den Armen eines anderen lag; als wollte das Schicksal mich verhöhnen und mir sagen: 'Schau genau hin, das ist das, was Du nie kriegen wirst...'

TRÖSTUNGEN VERSUS TORSCHLUSSPANIK

Lange Zeit habe ich mich damit getröstet, dass ich noch jung bin und dass ich noch Zeit habe (ich fühle mich auch immer noch wie Anfang 20, emotional vielleicht sogar vorpubertär...). Aber man wird eben doch nicht jünger und auch bei Männern gibt es eine biologische Uhr. Ich habe Sehnsucht nach einer eigenen Familie, möchte aber bitteschön vorher auch noch die Zweisamkeit genießen. Und außerdem sehe ich die Liebe und die Partnerschaft auch als eine Art Sparplan: Man muss möglichst früh anfangen und regelmäßig investieren, damit man auch im Alter noch etwas davon hat. Und Liebe lebt auch von gemeinsamer Vergangenheit. Je älter man wird, bevor man zueinander findet, umso weniger Gemeinsames bindet einen aneinander. So sitzt einem die Angst im Nacken, dass man wertvolle Zeit verliert. Abgesehen davon tickt die biologische Uhr bei potentiellen Partnerinnen noch lauter als bei mir. Eine Frau in meinem Alter, die schon mehrere Beziehungen hinter sich hat, weiß, was sie will. Ich mangels Erfahrung aber nicht. Ich stehe wie ein Teenager da, der sich erst einmal in einer Beziehung ausprobieren müsste, um zu sich selbst zu finden. Dass eine mögliche Partnerin in meiner Altersklasse dazu keine Lust und Zeit mehr hat, verstehe ich voll und ganz. Umso schwerer fällt es mir, mich auf eine Beziehung einzulassen, wenn ich nicht hundertprozentig überzeugt bin. Ich habe nicht nur Angst davor, verlassen zu werden, sondern auch davor, den anderen Menschen vielleicht enttäuschen zu müssen.

TYPISCHE AB-PROBLEME

Ich bin ein introvertierter, zurückhaltender Typ und mein Lebenswandel ist nicht gerade geeignet, viele Frauen kennenzulernen. Und ich habe das typische AB-Problem: Die Frauen, die ich kennenlerne und die auch mich sympathisch finden, sehen in mir nur den Kumpel-Typ. Und manchmal den seelischen Mülleimer, den ich dann auch gerne spiele, weil ich lieber eine platonische Freundschaft habe und ihre Gesellschaft genieße, als gar keine zu haben. Das zweite AB-Problem: Durch meine innere Verzweiflung sende ich sicherlich unbewusst negative Signale an meine Umwelt, die Frauen vor mir zurückschrecken lassen. Das geht auch Normalos so. Mein bester Freund hatte nach einer Trennung eine schlimme Phase, in der er bei Frauen einfach keine Chancen hatte. Erst als er nach langer Zeit wieder glücklich verliebt war, bekam er ständig Avancen von anderen Frauen. Das Glück, das er ausstrahlte, machte ihn in den Augen der anderen Frauen einfach attraktiv. Das mangelnde Selbstbewusstsein in meinem Privatleben führt zu Soziophobie und „Aufschieberitis“. Wie oft habe ich mir schon vorgenommen, abends auch mal alleine wegzugehen. Und kurz vorm Eingang hat mich dann der Mut verlassen, ich fand immer eine Ausrede, warum gerade heute ein schlechter Tag sei, abgesehen davon hätte ich ja eh' keine Lust und wäre auch gar nicht in der Stimmung. Im Berufsleben habe ich mein Selbstbewusstsein durch Fachkompetenz und positives Feedback, aber im privaten und gesellschaftlichen Bereich fühle ich mich inkompetent und schwach.

SEXUELLE OFFERTEN VERSUS KULTIVIERUNG DES AB-STATUS

Im Beruf habe ich zwar mit vielen Frauen zu tun, aber ich habe kein Interesse, Beruf und Privatleben zu vermischen und halte da bewusst Distanz, zumal ich auch Angst habe, diese Frauen könnten mich nur aufgrund meiner beruflichen Position als möglichen „Versorger“ attraktiv finden. Und ich suche schließlich jemanden fürs Herz und nicht allein fürs Bett... Von zwei Frauen habe ich im nachhinein erfahren, dass sie versucht haben, mich „ins Bett zu kriegen“, was ich nicht gemerkt habe; das hat mich geschockt und menschlich enttäuscht: Aber auch Frauen wollen manchmal einfach nur Sex... Ich war zwar zu naiv, das zu bemerken, aber selbst wenn, hätte ich es natürlich erst recht nicht gemacht. Ich bräuchte durch mein ABtum viel Zeit, viel Vetrauen und viel Liebe, um mich auf etwas Sexuelles einzulassen. Außerdem wäre der „Sex“ mit mir für die Frauen wahrscheinlich eine Enttäuschung gewesen und ich wäre zum Gespött in meinem Arbeitsumfeld geworden. Und meine Minderwertigkeitskomplexe Frauen gegenüber sind schon so tief, dass mein erster Gedanke war: 'Müssen die verzweifelt gewesen sein, dass sie sogar mit mir ins Bett gegangen wären...' Ich gewinne aber zunehmend Selbstbewußtsein und habe immer weniger Hemmungen, zu meinem ABtum zu stehen. Im Gegenteil: Ich scheine ganz gegen meine Schüchternheit einen Hang zur Selbstdarstellung zu entwickeln (siehe diese Biographie). Anstatt mich zu schämen und mich in Selbstmitleid zurückzuziehen, gefällt es mir, mit meiner Jungfräulichkeit zu kokettieren und ich genieße die Reaktionen, das ungläubige Staunen und das Interesse. Man könnte es „Kultivierung des AB-Status“ nennen. Ich habe mich durchaus auch schon mit Frauen, zu denen ich Vertrauen hatte, darüber unterhalten. Am Anfang erntet man natürlich Unglauben, aber dann auch durchaus Verständnis und Interesse. Eine hat mir sogar angeboten, mich zu entjungfern (ganz uneigennützig...); auch wenn ich mich sträubte, würde sie es schon irgendwie schaffen, mich willenlos zu machen. Das fand ich zwar nett, konnte ich aber nicht annehmen. Mir geht es ja gar nicht um den Sex allein. Mit Männern habe ich immer noch Probleme, darüber zu sprechen. Sie könnten einen ja unter Umständen nicht mehr für voll nehmen und an meiner psychischen Eignung und Stabilität zweifeln. Und dann ist immer das peinliche Herumlavieren um die Frage nach Frau und Kindern. Als ich einmal wieder die Frage nach Kindern verneinte, bekam ich von einem Vorgesetzten zur Antwort, er sei eher die Antwort „Weiß ich nicht.“ gewohnt. 'Ich weiß es aber sicher,' habe ich mir gedacht, hätte es mich aber nie zu sagen getraut. Ihm gegenüber wäre es mir also doch peinlich gewesen, zugeben zu müssen, noch keine sexuellen Erfahrungen zu haben.

BERUFLICHE UND MENTALE HEMMUNGEN

Beruflich bin ich sehr eingespannt und oft unterwegs, manchmal tagelang und nur in Hotels, sehr unregelmäßig, sogar über Wochenenden und Feiertage. Deswegen scheiden regelmäßige Aktivitäten wie Sportvereine oder VHS Kurse als Möglichkeiten des Soziallebens leider aus. Die meisten meiner Freunde sind mittlerweile verheiratet, manche haben schon das dritte Kind (wie asozial *zwinker*) und verständlicherweise auch nicht mehr so viel Zeit für mich. Obwohl ich nicht viel davon halte, habe ich es auch bei zwei Internet-Kontaktbörsen versucht, bisher ohne Erfolg. Ich glaube auch nicht an die große Liebe aus dem Internet, aber ich halte es zumindest für einen legitimen Ansatz, Frauen kennenzulernen und grundsätzliche Hemmungen abzubauen und flirten zu lernen. Leider bin ich viel zu romantisch (träume von dem Engel, der mir durch Zufall vor die Füße fällt...) und zu anspruchsvoll (durch meinen Leidensdruck erwarte ich viel zu viel von einer Beziehung, von dem Partner, aber auch von mir selbst; ich möchte einmal richtig verliebt sein mit Schmetterlingen im Bauch, gleichzeitig soll das aber bitteschön auch gleich die Liebe für das Leben sein...).

VERSTEHEN UND AKZEPTIEREN DER EIGENEN SEXUALITÄT: AB UND FETISCH, GEHT DAS?

Von der Sexualität habe ich aber keine Vorstellung. Ich finde definitiv Frauen sehr erotisch und anziehend und ich stehe eindeutig nicht auf Männer (Angebote hätte ich genug...). Erotische Photographie finde ich durchaus anregend, aber reine Pornographie, insbesondere Kopulationsszenen, finde ich abstoßend. Wenn ich masturbiere, denke ich ausschließlich an Frauen, aber nicht an Intimverkehr. Es ist mehr die Vorstellung, von einer größeren Frau spielerisch überwältigt zu werden und ihren Körper und ihr Gewicht auf meinem Körper zu spüren. Mein Glied ist keine erogene Zone, aber Druck auf meinem Unterleib verschafft mir sexuelle Erregung. Ich meine, das resultiert aus einem anderen Trauma aus meiner Kindheit. Mit 5 Jahren bin ich mal von einem 14jährigen Mädchen aus der Nachbarschaft „überfallen“ worden, die mich in den Sandkasten geschubst und sich auf mich gesetzt hat. Im Vergleich zu mir war sie natürlich riesengroß und ich hatte panische Angst vor diesem offensichtlich „durchgeknallten“ Mädchen. Ich vermute, Erregung durch Angst und sexuelle Erregung liegen nahe beieinander und seit dieser „Fehlprogrammierung“ werde ich durch die Vorstellung, unter dem Gewicht einer (Riesen)Frau (oder mehrerer) 'erdrückt' zu werden, sexuell erregt. Diese an einen Fetisch grenzende Phantasie zusammen mit meinem AB-Dasein und tiefer Sehnsucht nach zärtlicher und romantischer Liebe führt verständlicherweise zu ziemlichen Seelenqualen. Doch sich dazu zu bekennen, ist der erste Schritt, damit klarzukommen. Und ich habe Selbstbewusstsein dadurch gewonnen, dass ich in den letzten zwei Jahren diese Phantasie in Sessions, die in Richtung erotisches Ringen gingen, ausgelebt habe. Aber das war immer nur ein Spaß und hatte keinerlei sexuelle Implikationen. Auch wenn die Phantasie eindeutig aus dem Sexualtrieb kommt, hat das Ausleben derselben bei mir keinerlei sexuellen Gefühle hochkommen lassen. Weil das mit Liebe nichts zu tun hat und ich keine tiefere emotionale Bindung zu den Frauen hatte, war ich in den Momenten mental blockiert. Gottseidank. Hätte mich das sexuell erregt, wäre es mir auch sehr peinlich gewesen. Deswegen kann ich mich getrost auch immer noch als HC-AB bezeichnen.

AB ODER ASEXUELL? HILFT EINE THERAPIE?'

Aber grundsätzlich fehlt mir in erster Linie nur die emotionale Partnerschaft, Geborgenheit und Zärtlichkeit. Die Vorstellung von intimerem Verkehr als Kuscheln und Küssen bereitet mir noch Ekel und Unwohlsein, wobei ich mir einbilde, dass das von selbst kommt, wenn man seinen Partner stark genug liebt. Und das Gefühl bekommt, geliebt zu werden. Denn Angst vor Intimität resultiert auch daraus, sich selbst Sexualität nicht zuzugestehen und sich in seiner eigenen Geschlechtlichkeit nicht zu akzeptieren. Ich brauche vielleicht einfach nur etwas mehr Zeit. Und ich spüre, dass die Hemmschwellen gegenüber körperlicher Sexualität langsam geringer werden, weil die Sehnsucht nach emotionaler Geborgenheit immer stärker wird. Ich weiß sehr wohl, dass es auch Asexualität gibt. Ich habe mich auch dort lange im Forum umgeschaut. Vielleicht meint der eine oder andere, wenn er meine Vorstellung gelesen hat, dass ich eher asexuell bin - mag sein. Aber die Asexuellen sind mir zu „militant“ und ich möchte nicht von vornherein etwas aus meinem Leben ausschließen, was ich mangels Erfahrung gar nicht beurteilen kann. Durch meine Probleme leide ich schon unter depressiven Momenten, fühle mich manchmal lustlos und im Alltag überfordert. Versagensängste plagen mich in Hinblick auf meinen Beruf, dass ich mich steigender Verantwortung irgendwann nicht mehr gewachsen fühle. Und dann kommt immer wieder der Gedanke, ob man sich professionelle Hilfe suchen sollte. Aber ohne überheblich wirken zu wollen: Ich bin ein Kopfmensch und reflektiere genug. Wie die meisten ABs kenne ich die Ursachen meiner Probleme selbst und ich wüsste nicht, was mir ein Therapeut an neuen Einsichten vermitteln sollte.

LETZTER STAND

Eine Beziehung habe ich nach wie vor nicht. Aus der Internetkontaktbörse habe ich eine Bekanntschaft, für die ich aber nicht mehr als platonische Freundschaft empfinde. Etwas „verschossen“ bin ich in eine junge Frau, die ich im Urlaub kurz (oberflächlich) kennengelernt habe und die mich zwei Monate später angemailt hat, ich würde ihr nicht aus dem Kopf gehen, weil meine Augen so viel Güte und Wärme ausgetrahlt hätten. Seitdem haben wir sehr innigen E-Mail-Kontakt mit gewissem Flirtcharakter, der sehr schön ist und mir guttut. Sie weiß über mein ABtum und meinen Fetisch bescheid und will mich trotzdem gerne wiedersehen, und ich fühle schon Schmetterlinge im Bauch, wenn ich an sie denke. Und ich fühle eine Bereitschaft in mir wachsen, aus Liebe zu ihr sexuelles Neuland zu betreten. Trotzdem sehe ich die Gefahr, mich wieder zu verrennen und mich zu sehr auf diese Person zu fixieren. Sie wohnt weiter weg im europäischen Ausland, deswegen können wir uns nicht mal eben so treffen, außerdem ist sie gerade mal Anfang 20 und hatte auch erst eine Beziehung. Sie steht am Anfang ihrer Entwicklung (auch wenn sie schon einen sehr reifen Eindruck macht), ist jung und hübsch, müsste genügend Chancen bei Männern ihres Alters und vor allem ihrer Umgebung haben, so dass ich befürchte, allerhöchstens eine Episode in ihrem Leben zu werden. Und das will ich nicht. Wir haben jetzt zwar sogar eine kurze gemeinsame Wochenendreise in Planung, trotzdem werden ihre Mails immer kürzer und emotionsloser. Also mache ich mir da nicht viel Hoffnung.