Frage nach Freund oder Freundin bei Bewerbungsgesprächen

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Problem

Singles werden nicht nur beim Smalltalk im Bekanntenkreis nach ihrem Lebenspartner gefragt, sondern manchmal auch bei Bewerbungsgesprächen. ABs stellt sich die Frage, wie sie am besten darauf antworten.

Ein beziehungserfahrener Single wird eine unverdächtige Antwort in der Art von "nein, gerade nicht" geben. Ein AB unterliegt der Gefahr eines einfachen Neins. Das kann aber genauere Nachfragen wie "Nein, noch nie?" oder "Nein, gerade nicht?" provozieren. Oder es bleibt auch nur die unausgesprochene Vermutung. Daher steht der AB vor dem Dilemma, eine ehrliche Antwort zu geben mit dem Risiko, einen schlechten Eindruck zu hinterlassen, oder zu lügen.

Deutsche Medienberichte über "unzulässige Fragen"

Das Thema "unzulässige Fragen bei Bewerbungsgesprächen" wurde in letzter Zeit oft in der Presse, in Fernsehmagazinen und auf zahlreichen Webseiten diskutiert. "Zulässig sind Fragen, die dazu dienen, die Eignung eines Bewerbers für den Job zu beurteilen", schreibt Stiftung Warentest. Als unzulässig gilt u.a. die Frage nach einer Heirat. Durch die Berichterstattung ist es mittlerweile zum Allgemeingut geworden, dass unzulässige Fragen nicht wahrheitsgemäß beantwortet werden müssen.

Für die meisten Arbeitsplätze ist die Existenz eines Lebenspartners bedeutungslos. Ausnahmen sind vielleicht reiseintensive Jobs, gefährliche Arbeitsplätze oder repräsentative Funktionen.

Quellen

Bedeutung der Frage

Aus Gesprächen mit Bekannten stammen folgende Ideen über die Hintergründe der Frage nach einem Lebenspartner:

  • Bestenfalls ist die Frage völlig bedeutungslos und dient nur der Auflockerung nach einem ernsten Gespräch.
  • Einen Partner zu haben, kann bedeuten, dass der Bewerber wohl nicht mobil ist. Das kann erwünscht sein, wenn man ihn an einen Standort binden will. Das kann unerwünscht sein, wenn man ihn alle paar Jahre versetzen oder jede Woche auf Dienstreise schicken will.
  • Einen Partner zu haben, kann auch bedeuten, dass jemand wohl gesprächig und kontaktfreudig ist. Keinen Partner zu haben oder gar noch nie gehabt zu haben, könnte ein Ausschlusskriterium sein für Tätigkeiten, die viel Kundenkontakt erfordern.
  • Wenn z.B. aufgrund vieler zu erwartender Dienstreisen die Existenz eines Lebenspartners doch von Bedeutung sein sollte, dann sollte der Arbeitgeber offen sagen, dass der Beruf die Beziehung gefährden könnte. Der Bewerber könnte sich auch nach dem Hintergrund der Frage erkundigen, wenn er mehr dahinter vermutet.

Das sind viele gegensätzliche Interpretationen. Wer nur aus der Antwort auf diese Frage etwas herauszulesen versucht, betreibt zweifellos Kaffeesatzleserei.

Mögliche Reaktionen

Nun zu möglichen Reaktionen auf die Frage nach einem Lebenspartner:

  • Auf die Unzulässigkeit der Frage hinzuweisen, ist zwar juristisch korrekt, bringt aber unnötig Disharmonie ins Gespräch.
  • Die Antworten "Nein, noch nie" oder nur "Nein" sind schlecht, weil sie mangelnden Umgang mit Mitmenschen (nicht nur mit dem anderen Geschlecht) vermuten lassen.
  • Am besten sind "Nein, gerade nicht" oder "Ja", ohne große Umschweife, denn "selbstverständlich" hatte man mal eine Beziehung.

Zumindest in großen Firmen, ist es so gut wie ausgeschlossen, dass vorgelogene Beziehungserfahrung am Arbeitsplatz auffliegt. Niemand fragt mehr danach, oft sind die Leute beim Bewerbungsgespräch andere als die direkten Mitarbeiter und überprüfen kann es sowieso keiner.

Trotzdem müssen ABs sich im Klaren sein, dass langjähriger Singlestatus irgendwann von den nächsten Kollegen vermutet wird. Die meisten Angestellten erwähnen nämlich im alltäglichen Umgang miteinander beiläufig, dass sie "mit der Freundin in die Toskana fahren" oder "mit ihrer Frau neulich einen guten Film gesehen haben" oder "morgen Heimarbeit machen, weil das Kind krank ist" - d.h. es gibt oder gab einen Lebenspartner. ABs fallen durch die konsequente Nichterwähnung eines Lebenspartners auf, es sei denn sie halten eine Legende aufrecht.

Weitergehende Taktiken im Bewerbungsgespräch

In Bewerbungsgesprächen sollte sich der Bewerber auch durchaus bewusst sein, dass er gezielt in Stresssituationen gebracht werden soll. Personalleute sind darauf geschult, Unsicherheiten des Bewerbers zu erkennen und diese auszunutzen, manchmal auch wenn sie nichts mit der Eignung für den Job zu tun haben! Daher ist der Bewerber gut beraten, unangenehme Nachfragen zu erwarten und den Umgang damit zu trainieren. Dieses Nachbohren hat nicht direkt mit persönlichen Schwächen zu tun.

Unterstellungen oder Vermutungen muss sofort entgegengetreten werden, ein Zögern oder Eingehen wird als Zugeständnis gewertet. Nichts ist schlimmer als Rumdrucksen. Ein "Sie hatten sicher noch nie einen Partner?" muss

  • entweder entschieden verneint oder
  • durch eine überraschte Gegenfrage wie "Wodurch erhalten Sie diesen Eindruck?" abgewehrt oder
  • durch "Oh, ist das etwa Voraussetzung für diesen Arbeitsplatz?" gekontert oder ins Lächerliche gezogen werden.

Die vermeintliche dabei auftretende Disharmonie verdirbt - wenn richtig gemacht - nicht das Gespräch, sondern sorgt dafür, dass einem mit Respekt begegnet wird.

Bei heiklen Fragen hilft es generell Zeit zu gewinnen. Fragen können interpretiert werden: "Wenn ich Sie richtig verstehe...". Gegenfragen können ablenken oder sogar in eine andere Richtung lenken. Bei der Frage nach dem letzten Urlaub kann als Antwort etwa ein Ort genannt werden, verbunden mit der Gegenfrage, ob dieser in der Runde bekannt sei.

Zusammenfassung

Es spricht nichts dagegen, wenn ein AB eine bestehende oder bestandene Beziehung vortäuscht. Es ist anscheinend erlaubt und täuscht im Zweifelsfall eine soziale Kompetenz vor, die für den Arbeitsplatz meist eh nicht nötig ist.

Um sicher zu gehen, sollte man sich die Version seiner Legende merken, so dass man sie erstens ohne Zögern erwähnen kann und sich bei Nachfragen nicht in inhaltliche Widersprüche verwickelt, falls das Gespräch doch darauf kommen sollte.